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Goodbye Kassandra – welcome Melissa!

Im Grunde klingt es nach Klatschpresse: „Nach drei gemeinsamen Büchern haben sich Esther Pauchard und Kassandra Bergen entschlossen, getrennte Wege zu gehen. Sie werden, wie sie beide versichern, natürlich Freunde bleiben, aber …“

Es ist tatsächlich so: Während in den drei Psychiatrie-Krimis „Jenseits der Couch“, „Jenseits der Mauern“ und „Jenseits der Rache“ die temperamentvolle Psychiaterin Kassandra „Ka“ Bergen verzwickte Fälle und emotionale Knoten löste, wird Ihnen in „Tödliche Praxis“ ein neues, frisches Gesicht begegnen. Melissa Braun, ihres Zeichens medizinische Praxisassistentin, dreissig Jahre alt, aber zu ihrem Leidwesen deutlich jünger aussehend, bunt, ein wenig eigenwillig und mit der einen oder anderen Flause im Kopf, findet unvermittelt ihren streitbaren Chef, den Hausarzt Franz Wasem, tot in seinem Sprechzimmer auf – erschossen, und, wie sich später herausstellt, ermordet.

Wie kommt man als Autorin auf die Idee, seine vertraute Protagonistin auszuwechseln? Manchmal erschrecke ich selbst ein wenig über meinen Mut. Denn Kassandra hatte das Zeug dazu, beim Leser etwas auszulösen. Den einen gefiel ihre forsche, starrköpfige und politisch unkorrekte Art ausnehmend gut. Die anderen verwarfen angesichts ihrer Zickigkeit und Selbstgerechtigkeit die Hände. Niemanden liess sie kalt, sie blieb mit ihren Ecken und Kanten im Gedächtnis, sie polarisierte. Und nun tausche ich sie aus – klischeehafterweise sogar gegen eine Jüngere?? Wieso denn, mögen Sie sich zu Recht fragen.

Kassandra, ich gebe es zu, ist mir ähnlich. Einerseits durch äussere Umstände – sie ist Psychiaterin, ich auch; sie wohnt in Thun, ich auch; sie hat einen Hausarzt als Ehemann, ich auch; sie hat zwei Töchter, ich auch. Sie verstehen, was ich meine. Andererseits aber auch im Wesen. Ich habe zwar jegliche Ähnlichkeit mit ihrem scharfkantigen Charakter GERNE dementiert, aber ganz ehrlich? Ihre Ausfälle und Einfälle kommen mir bisweilen sehr bekannt vor.

Es ist gar nicht so unangenehm, das zu sein, was man gemeinhin als ‚starke Frau‘ bezeichnet. Über ein gesundes Selbstbewusstsein zu verfügen, entschlossen zu sein, berufliche Erfolge zu verzeichnen. Man geht den Leuten bisweilen ein wenig auf die Nerven, das schon, aber es lebt sich ziemlich ungeniert. Aber ich kenne auch andere Seiten an mir – schwache, verletzliche Seiten, Fehler, wunde Punkte. Wie ist es, so fragte ich mich, ohne diese ganze Entourage von Stärke Frau zu sein? Und schwierige Situationen durchzustehen?

Also habe ich eine neue Heldin erschaffen. Eine, die keinen Doktortitel hat, eine, die einen ganz normalen Beruf ausübt (na gut, auch im medizinischen Sektor, so ganz konnte ich nicht aus meiner Haut). Eine, die niemand eine Zicke schimpfen wird: Weil sie bisweilen hilflos und nicht immer selbstbewusst ist, weil sie mit der einen oder anderen Achillesferse kämpft und ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Aber auch eine, die zäh und schlau ist und entschlossen, an der hässlichen Geschichte, die das Leben ihr vor die Füsse wirft, zu wachsen. Melissa Braun ist eine ganz normale junge Frau – wenn Sie jemanden mit ihrem Hang zu eigenartigen Ideen, leuchtenden Farben und Selbsthilfe-Taktiken nach der Methode Eigenbau normal nennen wollen – in einer absolut nicht normalen Situation. Sie ist gezwungen, sich Dingen zu stellen, die sie überfordern. Und das tut sie, mit Köpfchen und Starrsinn, bis zum bitteren Ende.

Ich mag Melissa sehr gern. Sie nimmt weniger Platz ein als Kassandra, aber sie ist wie ein Kaleidoskop, überraschend, vielseitig, witzig, farbig und tiefgründig. Und wissen Sie was? Ich fürchte, sie hat doch ein wenig das Zeug zur Zicke. Ich hatte es nicht vor, bestimmt nicht, aber wie ich so dabei zusah, wie Melissa im Verlaufe dramatischer Ereignisse reifer und vielschichtiger wurde, da schien es mir, als liesse sie sich nicht so ganz zurückbinden wie geplant. Unvermittelt lieferte sie mir eine scharfe Antwort hier und einen bissigen Kommentar da …

Man kann nicht aus seiner Haut. Schreiben ist etwas sehr Persönliches, man kann sich dabei nicht verstecken. Sie werden also auch in der feinfühligeren Melissa Reminiszenzen ihrer volatileren Vorgängerin finden, der Geist dahinter ist (ob ich nun will oder nicht) der gleiche geblieben.

Das alles überzeugt Sie nicht? Sie vermissen Kassandra und wollen sie verflixt nochmal zurück? Gemach, gemach. Lassen Sie sich auf Melissa ein, als Experiment, und ich verspreche: Es gibt ein Wiedersehen.

Herzlich, Ihre

Esther Pauchard

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Foto: Peter Hauser